by Markus Taxacher

Application Design in der SAP Analytics Cloud: bereit als Ersatz für SAP Lumira Designer?

Erste Erfahrungen in Kundenprojekten

Um die Antwort auf die Frage vorweg zu nehmen: Analytics Applications in der SAP Analytics Cloud sind (noch) kein Ersatz für SAP Lumira Designer Applikationen, denn dafür ist es noch zu früh. Aber: Die Ideen, Konzepte und der aktuelle Entwicklungsstand sind vielversprechend.

Die technische Basis der Analytic Applications in der SAP Analytics Cloud (SAC) scheint bereits in diesem frühen Stadium sehr ausgereift, offensichtliche Programmfehler, welche die Nutzung erschweren, sind uns bisher nicht aufgefallen. Was man machen kann (und das ist noch nicht viel, siehe unten) funktioniert sehr gut. Erwähnenswert ist, dass die Charting-Engine offensichtlich mit der Charting-Engine mit denen aus SAC Storys eine enge Verwandtschaft hat – zur Laufzeit hat der Endanwender einige von dort bekannte Funktionen und kann so zum Beispiel die Top 5 Einträge im Chart anzeigen lassen.

      

Die Skripting-Umgebung scheint ebenfalls einen vertrauten Verwandten zu haben: SAP Lumira Designer. Die Sprache und Syntax ist vergleichbar mit der BI Action Language (BIAL), welche man von dort kennt – und scheint auch mächtiger zu werden, da man bereits einzelne JavaScript Elemente / Funktionen vorfindet. Wird dies weiter ausgebaut, lässt sich vermuten, dass der Entwickler ein besseres Werkzeug an die Hand bekommt, um komplexere Anwendungen mit einfacherem Skripting entwickeln zu können.

Zusammenfassend stehen zum aktuellen Zeitpunkt (Mai 2019) folgende grundlegenden Funktionen bereits zur Verfügung:

  • Einfache Widgets: Bilder, Buttons, Dropdowns, Checkboxen, Radio Buttons, Shapes, Text
  • Datengebundene Widgets: Tabelle, Charts, Filter line
  • Skripting ähnlich zu BIAL
  • Globale Variablen
  • (Event gesteuerte) Interaktion (z.B. Filter setzen) zwischen verschiedenen Widgets durch skriptbasierte Programmlogik
  • Widgets zur Laufzeit (Event gesteuert) sichtbar/unsichtbar schalten

Wir gehen davon aus, dass der Funktionsumfang zügig wachsen und an SAP Lumira Designer angeglichen wird. Dies ist auch nötig, denn vor allem der Funktionsumfang der in Skripting benutzbaren Objekte der Analytic Applications noch sehr stark eingeschränkt. Es gibt beispielsweise viele Getter-Funktionen zum Abrufen von Zuständen, Einstellungen und Werten; jedoch nur sehr wenige bis gar keine Setter-Funktionen um die Objekte zu „manipulieren“, also zum Beispiel eine andere Datasource zu laden o.ä.

Des Weiteren fehlen leider auch noch einige Interaktionskomponenten. Den Typ eines Charts kann man zur Laufzeit leider weder per Skript, noch per Chart type picker o.ä. ändern. Zudem fehlen an dieser Stelle auch noch Container Komponenten wie Panel oder Tabstrips – man ist in seiner Applikation also immer auf die Nutzung einer Seite angewiesen, platziert alle Objekte direkt auf der Arbeitsfläche (Canvas) und muss dort ggf. nicht benötigte Elemente ausblenden, verschieben oder deaktivieren. Hat man sich hier mal „vertan“, muss man leider zurückbauen, denn eine Undo-Funktion gibt es aktuell noch nicht.

Diese Limitationen schränken die Interaktion leider in sehr vielen Teilen noch stark ein - wer hier den Funktionsumfang einer aktuellen SAP Lumira Designer Version kennt, wird Application Design in der SAP Analytics Cloud vermutlich (zu) früh wieder beiseitelegen.

Dies macht auch, wer sich selbst das Ziel setzt, die Unternehmenseigenen Corporate Design (CD) Richtlinien in seinen Applikationen und ihrem Look & Feel möglichst exakt und homogen umzusetzen. Analytic Applications in der SAP Analytics Cloud bieten schlicht keine Möglichkeit eigene, externe Schriftarten zu laden, Objekte pixelgenau zu platzieren oder ein Responsive Design zu implementieren. Das Einbinden von eigenem CSS ist zurzeit nicht möglich und ist wohl auf absehbare Zeit nicht vorgesehen. Besonders letzteres ist schade, da dies eine möglich CD-getreue Abbildung von Planungs- und Reporting-Anwendungen nahezu unmöglich macht.

Bei der Datenanbindung der Analytic Applications stehen einem die aus der SAP Analytic Cloud bekannten Models zur Verfügung. Bis auf dort geltende Einschränkung, dass über Models konsumierte Queries mindestens eine KPI benötigen, sind uns hier bisher keine schwerwiegenden Einschränkungen aufgefallen. Das Einbinden der Models funktioniert einfach und zuverlässig und die Datenquellen können sogar bereits mit der Skript-Schnittstelle rudimentär „verarbeitet“ werden. Damit sind die Analytic Applications bereit für Daten aus on-premise SAP HANA 2.0 & 1.0 Systemen, hochgeladene statische Daten sowie eine direkte Verbindung über die BW Live Connection.

Ein interessanter Aspekt, welcher uns beim Erzeugen von Mockups sehr gelegen kommt, ist die Tatsache, dass bei Verwendung einer Live Connection die Daten direkt über den Browser in der Cloud bereitgestellt und verarbeitet werden. Dadurch können wir Kunden, durch unseren eigenen SAP Analytics Cloud Zugang, unkompliziert erste Entwürfe mit Daten aus den Kundensystemen direkt als Prototyp zeigen und aufzeigen, welche Möglichkeiten bereits jetzt möglich sind. Die Daten verbleiben dazu jedoch nicht in „unserer Cloud“, sondern werden durch die Verarbeitung im Browser lokal aufbereitet. Voraussetzung hierfür ist, dass wir über einen unterstützten Browser im Kundennetzwerk einen Zugang zu unserem eigenen SAP Analytics Cloud Tentant herstellen können. Falls Sie Interesse an einer solchen detaillierten Demonstration in Ihrer eigenen Systemlandschaft haben, sprechen Sie uns an.

Erste Kundenprojekte in Form von Evaluierungen auf Kunden-Tenants konnten wir ebenfalls bereits durchführen. Zu beachten ist, dass der Funktionsumfang je nach Tentant(-Version) generell grundsätzlich schwanken kann (manche Tenants erhalten neue Funktionen früher als andere).

Demonstration einer unserer Analytic Applications

Wie Sie sehen: wo Licht ist, ist leider auch noch viel Schatten. Warum wir trotzdem von SAP Analytics Cloud und den Analytic Applications überzeugt sind? Neben SAP’s „Cloud first strategy“, welche die ersten Schritte in der Cloud ohnehin nahelegen, kann man auch davon ausgehen, dass SAP zukünftig ein mächtiges Werkzeug für dynamische, webbasierte analytische Applikationen ausliefern wird. Die Roadmap ist lang, viele Punkte sind sehr viel versprechend, der Zeitplan ist eng gesteckt und die Cloud-Lösung ermöglicht ebenfalls kurze Update-Zyklen. Bereits für das zweite Quartal sind Erweiterungen für die DataSource, Prompt, Navigation und Result Set API angekündigt. Als „Future Direction“ sind bereits die von Lumira bekannten Composites und eine SDK-Schnittstelle („Custom Widget“) angekündigt – was hoffen lässt, dass man auch die Analytic Applications in der Cloud irgendwann mit eigenen Erweiterungen ergänzen kann.

Sind sie bereits in der Cloud oder haben Sie selbst schon erste Gehversuche mit Application Design in der SAP Analytics Cloud gemacht? Lassen Sie uns Ihre Erfahrungen wissen.

Oder hat Sie dieser Artikel neugierig gemacht auf SAP‘s Analytics Cloud zum Einsatz in Reporting- und/oder Planung-Szenarien? Zusammen entwickeln wir mit Ihnen eine passende Strategie für den Einsatz der SAP Analytics Cloud in Ihren Unternehmen. Migrationsstrategien? Datenimport? Greenfield-Ansatz? Administrationsfragen? Diese und weitere Punkte haben wir bereits zusammen mit unseren Kunden untersucht und können auch Ihnen die passenden Handlungsempfehlungen oder die Unterstützung bei der Umsetzung geben.

 

Markus Taxacher

ABRACON GmbH

Ihr Ansprechpartner

ist als SAP BI Senior Consultant bei der ABRACON GmbH tätig. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt im Bereich SAP BI und SAP Technology Consulting. Hier ist seine Kernkompetenz, mit mehr als 15 Jahren Erfahrung, die Konzeption und Realisierung von Projekten im Business Intelligence-Umfeld sowie die Konzeption von Systemlandschaften mit SAP und BusinessObjects.

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